Grundübung im Sitzen (10 Minuten)

Ihr braucht eine kurze Übung, die ihr auch an einem voll gepackten Tag unterkriegt?
Diese Übung ist perfekt für den Einstieg und als tägliche Routine geeignet. Sie ist kurz, körperbetont und reinigt uns von Anspannungen und Blockaden.

Ihr seid eingeladen, mit mir diese 10 Minuten zu sitzen.

 

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Was ist Erdung in der Meditation?

Schön, daß so viele von euch das erste Meditations-Video geschaut haben. So gibt es heute gleich ein weiteres, in dem ich über ein oft falsch verstandenes Thema spreche: Die Erdung.

Ich möchte gerne auch in kommenden Videos gezielt auf eure Fragen eingehen. Bitte schreibt eure Fragen in die Kommentare oder schickt mir eine Mail – das könnt ihr auch anonym machen, wenn euch das lieber ist.

Und, wenn ihr mögt, gebt einen Daumen nach oben auf Youtube oder ein Like bei Facebook.

Liebe Grüße

Steffen

 

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Was ist Meditation (wirklich)?

Heute habe ich etwas neues für euch:

Ein erstes Video über Meditation das, wenn es euch gefällt, der Auftakt zu einer regelmäßigen Serie werden kann. Ich möchte damit etwas mehr in Kontakt kommen. Inbesondere möchte ich gerne regelmäßig die eingehenden Fragen im Videoformat beantworten und Anmerkungen teilen.

Jetzt bin ich natürlich neugierig und freue mich zu hören, wie ihr das erste Video findet. Schreibt es in die Kommentare und, wenn ihr mögt, gebt einen Daumen nach oben auf Facebook.

Und schickt bitte weiterhin eure Gedanken, Fragen und Anmerkungen.

Liebe Grüße

Steffen

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17. Untergeschoss: Ausgabe der Scheiße-Pakete

Die Auswirkungen der Meditation, die Kraft und Energie, die wir dabei vorfinden, wird leicht unterschätzt. Insbesondere während längerer Meditationen in denen wir tiefere Schichten unseres Bewusstseins erreichen, stoßen wir gelegentlich auf Ängste die sich in Form von freiwerdenden Energien äußern. Körperlich macht sich dies als nach oben (in den Kopf) schießende Energien bemerkbar, die dort starken Schwindel verursachen, insbesondere wenn wir nicht genug geerdet sind und die Energie daher nicht nach unten abfließen kann. Aber auch mit dieser Erdung können uns die Auswirkungen regelrecht überfluten. Das macht Angst, besonders wenn es die ersten Male passiert. Die Auswirkungen sind nicht nur auf den Moment beschränkt:

shutterstock_110822132Schwierigkeiten haben wir dann auch in den folgenden Tagen und Wochen. Durch die freigewordenen Energien können eine Reihe von Problemen im Alltag auftauchen. Bei mir äußert sich das Freiwerden von Energien in besagtem Schwindel, intensiven Träumen und einer Reihe von Ängsten: Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich nicht mehr im Alltag funktionieren würde, dass ich nicht mehr arbeitsfähig bin, dass mich alles überfordern würde. Und einige Tage waren dann auch erst mal recht hart und ich habe mich bemüht, stressige Situationen zu vermeiden und erst mal wieder Fuß zu fassen. Aber hier reagiert jeder etwas anders, vielleicht brechen Krankheiten aus, psychische Probleme verstärken sich, aber diese Symptome sind zeitlich begrenzt. Eine gute Idee ist, nach einer längeren Meditation noch ein paar freie Tage einzuplanen.

Hintergrund

Hört dann einfach auf eueren Körper. Nach den ersten Meditationswochen kam ich so energiegeladen zurück, dass ich erst mal Haus- und Hof auräumen musste, um die Energie irgendwie zu „verbrauchen“. Mit den Jahren konnte ich die Energie besser integrieren und musste sie nicht mehr loswerden.

Das Gute an diesen Erfahrungen ist: wenn wir diesen Schwierigkeiten begegnen, dann haben wir tiefe Schichten erreicht. Das Freiwerden von Energie befreit uns von „Festhalten“ und erlaubt sofort einen freieren Energiefluß durch uns hindurch. Die langfristigen Auswirkungen sind positiv. Auch wenn wir erst mal einigermaßen durch den Wind sind. Diese Erfahrungen sind wichtige Teile des Weges, den wir in der Meditationsarbeit gehen.

Leider gehen mir viel zu wenig Bücher und Artikel auf die Schwierigkeiten bei der Meditation ein. Zu viel Schönfärberei und zu wenig Hinweise auf die subjektiv weniger schönen Seiten der Meditation beherrschen die Literatur. Wenn wir dann Hilfe brauchen stehen wir oft alleine da. Solltet ihr alleine meditieren, dann lege ich euch Nahe, euch einen Meditationslehrer zu suchen, der euch Ansprechpartner sein kann. Für akute Fälle bin auch ich per Mail erreichbar.

Wenn ich, wie ich das in der letzten Meditationswoche genannt habe, wieder mal ein Paket Scheiße im 17. Untergeschoß finde, dann sage ich das mit einer Mischung aus Entsetzen und Freude. Die Freude kam im Laufe der Jahre hinzu. Als mir das das erste Mal passierte gab es nur das Entsetzen und ich war sehr froh, auf die Erfahrung meines Meditationslehrers zurückgreifen zu können. Ich hatte tatsächlich die Befürchtung, dass ich verrückt würde. Meine Gedanken spielten verrückt, die Frage ob ich nun noch Steffen bin oder schon Jesus hat mich dann doch dazu gebracht, meinen Meditationslehrer um Hilfe zu bitten. Es gibt für mich nichts beruhigenderes wenn ich in solchen Schwierigkeiten bin, als ein Mensch, der diese Erfahrungen kennt und einschätzen kann. Unser Gehirn spielt bei solchen massiven Energien gerne mal verrückt, denn es versucht zweifelhaft, eine Erklärung zu finden. Mir kommen meine Gedanken vor als seien sie Ertrinkende, die wild um sich paddeln (und dabei wild irgendwelche weiteren Gedanken produziert). Da ist eine Perspektive von außen wichtig und hilfreich.

Ich wünsche euch eine schöne Woche. Und immer schön weiter graben 🙂

Samanera_(sculpture)

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Über das Jetzt. Und über meine Zweifel, wenn es keinem außer mir weh tut.

Sind seit dem Schreiben des letzten Artikels wirklich schon 9 Wochen ins Land gegangen? Es ist viel in dieser Zeit passiert: Eine Woche der Meditation Ende Juli bei meinem Lehrer Rudi Baier (www.wieobensounten.de), ein wunderschöner Urlaub mit der Familie, drei Abende der Meditation im Europäischen Institut für Angewandten Buddhismus in Waldbröl (klingt das nicht schön un-esoterisch?) und nun sitze ich in einem Zug mit ein paar buddhistischen (?) Mönchen und Nonnen, von denen eine ein ansteckendes Lächeln verschenkt, das mich innerlich mit Fröhlichkeit erfüllt und in den aktuellen Moment bringt. Und zum Schreiben.

Der aktuelle Moment. Sicher habt ihr schon gelesen, daß dies der einzige Moment in euerem Leben ist. Warum unser Gehirn alles tut, um sich diesem Moment zu entwinden liegt in der Existenzangst unseres Egos verborgen. Wenn wir nicht in Gedanken sind, wenn wir tatsächlich mit unserer vollen Aufmerksamkeit im Jetzt sind, dann bedeutet dies das Ende des Egos, der Identifikation mit unseren Gedanken und Rollen. Wie jedes andere Lebewesen auch fürchtet auch das Ego das Ende der Existenz, das Ende des Lebens. Und es wehrt sich mit aller Macht, so wie jedes andere Lebewesen auch, gegen dieses befürchtete Ende.

Das Ego, wie jedes andere Lebewesen auch, wird lügen, bitten, täuschen, verhandeln und sich mit aller Macht zu entwinden suchen. Denn es geht um seinen Tod.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Es flüstert in unser Ohr, weist uns darauf hin, daß das Sitzen in der Meditationshaltung schmerzvoll ist, daß es wahrlich aufregender wäre das Fernsehen einzuschalten oder etwas zu lesen. Wenn das nicht geht, belegt es unsere Gedanken mit Bildern und führt uns in Situationen im Morgen oder Übermorgen, im Gestern oder im letzten Jahr. Denn das Ego benötigt unsere Identifikation mit unseren Vorstellungen, unseren Gedanken, um überhaupt zu existieren. Es bietet uns Wut an, über die Äußerung eines Kollegen oder einer Kollegin vielleicht, die uns gestern wütend gemacht hat. Und es bietet uns Antworten an, die wir hätten geben können. Es schwelgt in der Vorstellung, wie wir das nächste Mal viel souveräner antworten werden, wie wir verletztend eine gemeine Äußerung machen werden, wie wir diese Pappnase in Grund und  Boden stoßen.

Dieses Toben der Gedanken können wir nicht einfach dauerhaft stoppen. Zwar können wir die Gedanken eine Weile unterdrücken, aber schon wenig später finden wir uns, ohne es zu bemerken, ihnen schon wieder folgend vor, ausgeliefert gegen die subversive Macht, die die Gedanken über uns haben.

Wie können wir die Gedanken denn dann beruhigen oder stoppen?

Es gibt nichts, das wir konkret tun können. Wir können aber nichts tun und nur wach und aufmerksam die Gedanken beobachten. Wir stellen fest, wann wir ihnen folgen und konzentrieren unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Moment, auf das was in uns und um uns herum geschieht. Auf das Jetzt. Immer dann, wenn wir uns in Gedanken ertappen.

Mit der Zeit und der Gewohnheit kommen unsere Gedanken dann langsam zur Ruhe. Uns fällt dann vielleicht öfters auf, wenn wir in Gedanken sind. Und irgendwann lässt die Identifikation mit den Gedanken nach, so dass wir sie vielleicht als fremde Erscheinung wahrnehmen. Als gar nicht mehr Teil von uns. Und irgendwann hören sie vielleicht einmal auf, im Sekundentakt aufzutauchen, aber das auch nur kurz.

Aber wie machen wir das denn?

Wir setzen uns hin und beobachten uns. Nicht mehr.

Wenn der Sturm der Gedanken in uns wütet und uns dies auffällt, dann ist das Meditation. Wenn wir durch Gedanken Bilder sehen, die in uns Emotionen auslösen und uns dies auffällt, dann ist das Meditation. Wenn wir bemerken, wie ein Gedanke uns wegtragen will, wir aber nicht folgen, dann ist das Meditation. Wenn wir still da sitzen und kaum Gedanken haben und ganz bei uns sind, im Hier uns Jetzt, dann ist das Meditation.

Dabei gibt es zwischen dem erstgenannten und der letzten Meditationserfahrung einen subjektiven Unterschied, aber im Sinne der Meditation ist es unerheblich, ob unsere Achtsamkeit in einem Sturm der Gedanken einsetzt oder wir uns in großer innerer Ruhe befinden. Jede Erfahrung der Achtsamkeit bringt uns einen Schritt weiter. Subjektiv habe ich das Gefühl, daß die anstrengenden und schmerzvollen Erfahrungen der Meditation mit ihrer Unruhe, Wut oder Verzweiflung die wichtigen Erfahrungen waren.

2013_09_09_Meditation_Affe_byMel

Das fluffige-schwebende Gefühl in Meditation zu versinken, ruhig und achtsam, zufrieden und friedlich, ja, das ist toll. Aber diese Momente sind nicht wichtiger als die Momente des inneren Kampfes mit dem Ego. Die ruhigen Momente sind ein Resultat der anderen, anstrengenderen Meditationserfahrungen.

Daran musste ich im Europäischen Institut für Angewandten Buddhismus in Waldbröl denken, als nach einer der Meditationen ein Erfahrungsaustausch stattfand, und einer nach dem anderen von der gefühlten großen Stille und Besinnlichkeit sprach. Die Anfänger unter den Meditierenden werden vielleicht gedacht haben, daß sie etwas falsch machen, wenn ihnen nur alles weht tut und die Zeit nicht vorbei zu gehen scheint. Aber die haben sich nicht geäußert, wenn es sie gab.

2013_09_09_Meditation_Quote_byh.koppdelaney

Ich dachte jedenfalls für mich, daß die Schilderungen der schönen Meditationserfahrungen in ihnen auch einen Erfolgsdruck auslösen mögen, auch solche Empfindungen haben zu müssen. Das ist ein gefundenes Fressen für das Ego, das uns gerne solche Erfahrungen in Form von Gedanken liefert. Vielleicht entsprangen sogar manche Schilderungen eher solchen Gedanken als tatsächlichen Meditationserfahrungen.

Aber schöne Gedanken sind keine Meditation.

2013_09_09_Meditation

Ich habe mich dann gemeldet und gesagt, daß meinen Gedanken die Meditation zu lange war, dass ich unruhig war und mir alle Muskeln im Rücken tierisch weh taten. Und daß das auch Meditation ist, falls jemand neu dabei sein sollte.

Das mag die Atmosphäre getrübt haben, aber wissendes Lachen von einigen Meditierenden zeigte mir, daß sie diese Erfahrung kennnen. Wenn so viele Menschen auf einem Haufen meditieren, die nicht gerade im Kloster oder Retreat sind, dann haben meiner Erfahrung nach viele von ihnen mit Widerständen zu kämpfen. Vielleicht trauen sie sich nicht, dies offen zu sagen, weil andere scheinbar mühelos ‚in die Übung kommen‘. In der Meditation ist aber nur wichtig, was gerade ist, jetzt in diesem Moment. Auch wenn es Rückenschmerzen und fiese Gedanken sind.

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Samanera_(sculpture)
Photos by h.koppdelaney, Mel & G4Glenno, Sebastyne Young via flickr.com

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Du brauchst keine Angst zu haben. Oder Haarausfall.

Zur Struktur der Artikels

Dieser Artikel besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil beschreibe ich einen Sachverhalt. Der zweite Teil beschäftigt sich mit meinen Erkenntnissen beim Schreiben. Ich freue mich auf euer Feedback, ob euch meine eigene Meditationserkenntnis (der zweite Teil) hilfreich ist.

Wie ernst nehmen wir unsere Ängste? 

Es gibt Sätze, da frage ich mich, ob überhaupt nachgedacht wird, bevor jemand spricht. Wenn ein wolfsgroßer Hund auf ein Dreijähriges Kind zuläuft, dann scheint ein „Du brauchst keine Angst zu haben“ doch irgendwie unglaublich dämlich zu sein.

Scared_Child_at_NighttimeDie generelle Aufforderung, Angst sei nicht nötig, drückt aber noch einiges mehr aus:

1. Angst zu haben ist schlecht

2. Angst kann man abschalten

3. Angst haben ist nicht angesehen
(„Ich“ habe keine Angst)

4. Ich nehme Dich (und Deine Angst) nicht ernst.

Während der dritte Punkt sicher stimmt, so sind alle Punkte doch totaler Humbug.

Angst ist, und das lernen wir in der Meditation recht schnell, Grundlage und Ursache für fast alles in unserem Leben. Angst entsteht dabei nicht durch einen willentlichen Akt, sondern ist ein ureigenes Gefühl, dass ohne unser Zutun auftaucht. Zwar können wir die Angst kultivieren, hegen, pflegen und aufbauschen (die Ursache ist dann eine andere Angst), aber wir haben keine Möglichkeit, den Impuls des Angsthabens an- oder aus zu schalten.

Wenn wir von einem Ziel im Umgang mit der Angst sprechen wollen, dann ist es die Achtsamkeit, die Angst im Moment des Auftretens wahrzunehmen. Dies verhindert das „Schwelen“ der Angst, das passiert, wenn wir die Angst ignorieren, verdrängen und wegpacken. Dies habe ich im Artikel „Intensiverer Schmerz Dank Meditation!“ ausführlicher beschrieben.

Nun heißt das ja auch, daß wir einem Kind (oder Erwachsenen) das Leben schwerer machen, wenn wir ihm Nahe legen, die auftretende Angst zu ignorieren. Denn die Angst lässt sich nicht dauerhaft wegpacken, ohne ungute Auswirkungen auf unser Leben zu haben.

Deswegen ist der Spruch „Du brauchst keine Angst zu haben“ so hilfreich wie zu einem Glatzköpfigen zu sagen, „Du brauchst keinen Haarausfall haben“, oder einem Einbeinigen den Tipp zu gehen „Du brauchst nicht humpeln“.

Was mir beim Schreiben auffiel

Nun machen wir einen Bogen zu Meditation im Alltag. Beim Schreiben (und vermutlich auch bei der Auswahl des Themas) ist viel erkennbar und sichtbar geworden. Was konnte ich beim bewussten Schreiben und Lesen alles wahrnehmen?

Beim Schreiben und Korrekturlesen dieses Artikels fiel mir eine Wut auf, die sich durch Worte wie „unglaublich dämlich“ ausdrückten. Wenn ich den Satz „Du brauchst keine Angst zu haben.“ höre, dann werde ich wütend.

Warum? Weil sich hinter meiner Wut eine Angst verbirgt. Beim Hineinspüren in diese Angst fand ich die Ursache: In meinem Fall die Angst, ich sei nicht gut genug, um so angenommen zu werden, wie ich bin – denn ich habe ja Angst. Diese Ursachen-Forschung ist in der Meditation nicht zwingend notwendig, das Erleben der Angst ist ausreichend. Durch eine Therapie können wir diese Prozesse aber stark beschleunigen. So lernte ich die Ursachen kennen und oft ist es uns hilfreich, unser Erleben einsortieren und verstehen zu können.

Psychologisch kommt diese Angst von der Trennung meiner Eltern und meinem Bemühen den verbleibenden Elternteil nicht auch noch zu verlieren. Beide Eltern zu verlieren bedeutet auf der Ebene der Wahrnehmung des Kindes konkret Todesangst – ohne Eltern haben wir keine Überlebenschance. Dieses Wissen ist fest verankert. Daher musste ich gut genug sein, um bei meiner Mutter bleiben zu dürfen. (Wie gesagt, es stand nicht zur Debatte mich weg zu schicken, es war die kindliche Angst davor.) Dabei ist es für die kindliche Seele auch unerheblich, ob die Eltern tatsächlich tot sind oder ein Elternteil einfach weg ist.

Auch wenn jemand für uns sorgt und der Tod üblicherweise nicht eintreten wird, selbst wenn beide Eltern sterben, so ist die Todesangt dennoch real und auch hier ist der Hinweis „Du brauchst keine Angst zu haben“ hilfreich gemeint aber komplett nutzlos. Viel wichtiger wäre in einem solchen Fall die Versicherung „Wir sorgen für Dich und sind für Dich da. Auch für Deine Angst. Du bist sicher.“

Ein weiterer Punkt, der mir beim Lesen auffällt ist Sarksmus, z.B.  in der Bildsprache (Der Glatzköpfige, der Einbeinige). Dahinter verbirgt sich meine langjährige Strategie, meine Ängste durch Witze und Sarkasmus zu verbergen. Beim Schreiben dieses Artikels hat sich dieser Mechanismus wieder gezeigt. Der Grund, warum der Mechanismus jetzt wieder aufrtitt, ist ein neuer Job, wen ich seit zwei Wochen habe und die damit verbundene Angst, ihn gut zu erledigen. Diese Angst vor der Veränderung und der neuen Situation (die normal ist) hat aber auch eine Seite, die in der oben beschriebenen Vergangenheit begründet ist und damit schädlich sein kann, denn sie hat in der realen Situation ja keine Ursache . Und hier ist Wachheit gefragt, damit sich keine Probleme durch meine Mechanismen ergeben:

Im neuen Unternehmen habe ich einen Chef. Auf einen Chef oder Chefin wird  üblicherweise eine Vater-Rolle projiziert (ein oft unterschätzter Fakt im beruflichen Leben). Hierbei sind bei mir Ängste aufgetreten, die, so alt sie auch sein mögen, bedeuten „wenn ich nicht gut genug bin, muss ich sterben.“. Die Wachheit wird mir helfen, mich nicht kindlich zu verhalten und selbst für meine Selbst-Sicherheit zu sorgen.

Ich hoffe, dass ich euch einen Einblick zum Thema Angst, aber insbesondere auch zum Thema Meditation im Alltag geben konnte. Denn die Auswirkungen sind sehr weitreichend und durchdringen unser Leben bis in den letzten Winkel.

Ich wünsche euch eine schöne Woche

Samanera_(sculpture)

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Intensiverer Schmerz Dank Meditation!

oder „Vom Umgang mit menschlichen Gewittern“

Durch die Achtsamkeit in unserem alltäglichen Leben verschwindet die Barriere zwischen dem, was jetzt in diesem Moment passiert und unserer Wahrnehmung allmählich. Wir bekommen unsere Empfindungen, Gefühle, das Leben in dem wir uns befinden ungefiltert mit. Einige dieser Empfindungen sind schmerzhaft – zum Beispiel die Gefühle der Trauer, der Wut, das Gefühl der Wertlosigkeit – denn dahinter liegen große Ängste. Diese bezeichne ich vereinfachend als Schmerz.

Das bedeutet, wir bekommen in der Meditation unseren Schmerz ungefiltert mit. Wir sind nicht mehr in der Lage, ihn zu verdrängen und aus eigener Erfahrung wissen wir vielleicht, wie schlauchend eine wochenlang intensiv empfundene Existenzangst sein kann. Warum sollten wir uns also überhaupt diesem Schmerz aussetzen? Wäre verdrängen nicht einfacher?

Kurz gesagt, ja. Es ist einfacher.

Aber der Schmerz, den wir verdrängen, der ist nicht so verdrängt wie ein Ozeandampfer das Wasser verdrängt. Er ist nicht weg. Er ist weggepackt. Einen Schmerz zu verdrängen heißt, ihn dauerhaft im Körper zu speichern. Dabei ist es eine Eigenart des Schmerzes, daß er wahrgenommen werden will, denn nur dann kann er sich auflösen.
Das ist sozusagen die Aufgabe des Schmerzes.

Wenn wir ihm diese Möglichkeit entziehen, dann wird er sich immer wieder melden, wenn irgendetwas passiert, was diesen Schmerz anrührt. Dies kann auch in einer Phase der Entspannung passieren. Er meldet sich mit einem „Ich bin auch noch hier! Willst Du mich jetzt wahrnehmen, damit ich gehen kann?“. Wenn wir nicht bereit sind, dann schicken wir ihn wieder zurück in sein Gefängnis innerhalb unseres Körpers.

Wir alle kennen das Gefängnis – es sind z.B. die Verspannungen der Muskeln. Aber dahinter liegen gestörte Energieflüsse, deren Störungen uns krank machen. In manchen Fällen ernsthaft und lebensbedrohlich krank.

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Kommt weiterer Schmerz dazu, den wir wieder wegpacken, dann wird es irgendwann eng im Körper. Überall sitzt alter Schmerz. Und jeder einzelne Schmerz kommt regelmäßig zu uns und erinnert uns an ihn. Die Verdrängung geschieht immer unbewusster und wir bekommen sie irgendwann nicht mehr mit und leben mit den negativen Auswirkungen, den Krankheiten, der schlechten Laune und vielleicht den im folgenden beschriebenen Vulkanausbrüchen und aufziehenden Gewittern.

Daher gibt es nur eine sinnvolle Lösung:

Wir nehmen den Schmerz an. Wir geben uns ihm regelrecht hin. Denn nur dann kann er sich dauerhaft auflösen. Das ist schmerzhaft und unangenehm, aber auch schön und befreiend, wenn wir merken, daß unsere Angst vor der Angst unnötig groß war, denn oft ist das Erleben der Angst gar nicht so schlimm wie befürchtet. Wir sind über die Jahre gewachsen und können oft schon ganz gut damit umgehen.

Wenn wir die Angst nicht wahrnehmen, dann läuft das Fass (der gespeicherte Schmerz) über. Und je mehr wir verdrängen, desto schneller läuft es über.

Lightning_strike_jan_2007Folgendes Bild kann dies verdeutlichen: Wir speichern unsere Ängste wie eine Batterie die Energie. Aber irgendwann ist die Spannung zu groß, so daß jede (empfundene oder befürchtete) Zufuhr neuer Energie zu einer heftigen Reaktion führt. Wir sind so unter Strom, daß wir vielleicht heftige Schläge verteilen, wenn wir uns bedroht fühlen – sei es durch ausgelöste neue Ängste oder Anrühren der alten Emotionen. Dabei ist der Strom oder der Druck der uns zugeführt wird oft gar kein Angriff. Denn andere Personen wissen ja nicht, was in uns brodelt und was uns schmerzt.

Haben wir diesen Kreis der Verdrängung durchbrochen, unsere Ängste durchlebt, dann ändert sich auch die Sicht auf unsere Mitmenschen.

Wenn wir dann in der Nähe eines solchen Menschen sind und achtsam sind, dann nehmen wir genau wahr, was in einem solchen Fall geschieht: Wir sagen vielleicht etwas, das in ihm Emotionen auslöst, und die Reaktion ist für uns nicht erklärbar. Wie sehen die Verdrängung. Wir sehen, wie der Druck im inneren Vulkan immer weiter ansteigt. Unser Gegenüber ist dann geladen, unter Druck. Sobald wir mehr Druck zuführen, bricht der Vulkan wahrscheinlich aus. Er explodiert.

Was passiert also bei einem solchen Vulkanausbruch? Wir alle kennen uns oder andere, Lightnings_sequence_2_animationdie auf ein unbedachtes Wort, ein Mißverständnis etc. mit heftigen Reaktionen (Wut, Trauer) reagieren. Diese Reaktionen kommen daher, daß durch diese Situation alte Schmerzen angesprochen wurden und sich im Gegenüber riesige Ängste melden, die wahrgenommen werden wollen. Die ‚verständliche‘ Reaktion dessen, der von diesen Ängsten übermannt zu werden droht, ist klar: Schnell die Ängste wegpacken und dem Auslöser der Situation signalisieren, daß er NIE WIEDER den Schmerz aktivieren soll. Die Person wird vielleicht wütend, aggressiv, ist aufbrausend.

Vielleicht hat die Person das Ausbrechen des Vulkans auch im Griff und benutzt andere Taktiken, um ein Ausbrechen zu verhindern.

Diese Person entzieht sich weiterer Interaktion dann vielleicht durch eine Depression, ein Zurückziehen aus dem Leben. Auch dann kann kein Schmerz aktiviert werden. Oder die Person betäubt sich, mit Alkohol, Drogen, Fernsehen. Um die Summe der Schmerzen überhaupt auszuhalten ist das eine Strategie, die viele verfolgen. Und wir können uns einfach vorstellen, wie positiv sich der bewusste Umgang mit unseren Ängsten auf unsere Beziehungen zu Partnern, Kindern, Kollegen und Freunden auswirkt. Und wie schädlich der unbewusste Umgang für diese Beziehungen ist.

Die agressivsten, feindlichsten, aufbrausendsten Personen sind diejenigen mit den stärksten Ängsten. Es hilft im Umgang mit diesen Personen, sich dies ins Bewusstsein zu rufen. Ihre starke Reaktion gilt nicht uns, obwohl sie für uns bedrohlich oder gar gefährlich sein kann.

Darum ist es wert, daß wir uns um unseren Schmerz kümmern. Es verbessert unser Leben und das unserer Mitmenschen.

Liebt eueren Schmerz!

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Samanera_(sculpture)

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