Juhu, die Ampel ist rot!

Als ich über 5 Jahre jeden Morgen eine gute halbe Stunde mit der Bahn fuhr, machte ich große Fortschritte bei der Meditation. Dies lag nicht an langen Sitzungen auf dem Meditationskissen, sondern daran, daß ich mir angewöhnte einen der Klappsitze im Fahrradabteil zu belegen (die halten den Rücken besser gerade) und den Übungen meines Lehrers Rudi Baier auf dem MP3 Player zu folgen. Diese drehten sich meist um die bewusste Atmung.

Das wichtige daran war, daß ich diese Übungen so regelmäßig machte, daß sie mir in Fleisch und Blut übergingen. Sie wurden zur Gewohnheit. Die meisten Sachen fallen uns wesentlich leichter, wenn wir sie automatisch machen. Was für eine furchtbare Vorstellung ist es, müssten wir jeden Handgriff überlegt machen. Was für eine Anstrengung wäre das Schneiden einer Zwiebel oder das Anziehen am Morgen!

Diese sehr hilfreiche Fähigkeit des Körpers und des Geistes, wiederkehrende Tätigkeiten zu automatisieren hilft uns dabei, unsere kleinen Übungen in den Alltag zu integrieren. Es können kurze Momente sein, die uns daran erinnern, tief zu atmen, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, unsere Wirbelsäule aufzurichten und dabei den Kontakt mit dem Boden zu spüren.

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Ich mache diese kleine Übung beim Warten an einer roten Fußgängerampel. Oft merke ich dann, wie ich innerlich ruhig werde und ganz bewusst die Füße in den Schuhenspüre, die gegen den Boden drücken. Dann wechsle ich ganz langsam das Standbein, ähnlich der Tai Chi Grundübung und bin etwas enttäuscht, wenn die Ampel grün wird. Dann würde ich gerne die Übung weiter machen. Zu Hause passiert mir das nie. Da muss ich mich erst zu einer Übung überwinden.

Aber wozu machen wir diese Übungen? Das ist das Paradoxe an diesem Weg. Wir machen die Übungen, um uns die Automatismen, die uns unbewusst steuern, bewusst zu machen und ihnen damit die Kontrolle über uns zu entziehen. Dies geschieht nicht durch einen Akt des Abgewöhnens oder Bekämpfens, sondern dadurch, daß wir uns diese Automatismen bewusst machen, in dem wir sie (und uns) einfach nur beobachten. Dann lösen sie sich mit der Zeit auf.

Dabei können wir uns, wie oben beschrieben, der Fähigkeit unseres Körpers und Geistes bedienen, die Übungen zu automatisieren. Wir ersetzen also idealerweise unsere Automatismen, die nicht mehr nötig oder sinnvoll sind mit Automatismen, die uns dabei helfen.

Es fällt mir jedenfalls viel leichter, mir diese kleinen Übungen anzugewöhnen, anstatt mir vorzunehmen, mich jeden Tag eine halbe Stunde auf das Meditationskissen zu setzen. Wenn ich das schaffe, dann ist es natürlich toll, aber meist funktioniert das bei mir nur phasenweise. Dann vernachlässige ich die Übungen und sie geraten in Vergessenheit. Darüber schreibe ich ein andermal mehr.

Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie Tricks, die Ihnen helfen, die Meditationsübungen zu machen?

Dann freue ich mich auf einen Tipp in den Kommentaren!

Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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