Ich komme nicht richtig in die Übung!

Hach, das waren noch Zeiten, als ich bei meinem Lehrer Rudi Baier (www.wieobensounten.de) in den ersten Meditationsrunden saß und vor Schmerzen im Rücken kaum noch gerade sitzen konnte! Alles war verspannt, die Muskeln fühlten sich wie kaltes Metall an und zudem musste ich mich jede Sekunde beherrschen, dem Impuls aufzustehen nicht nachzugeben. Schließlich waren vor einigen Minuten beide Beine eingeschlafen und das Schnarchen meines Nachbarn zeigte mir, daß er es geschafft hatte, dem Schmerz zu entrinnen. Drecksack. Ich hing aber den Gedanken über die Planung des nächsten Tages und der Erinnerung an das letzte Wochenende nach. Was für eine Qual!

Nach der Übung gab es üblicherweise eine Runde, in der wir besprachen wie die Übung war. Der meist gehörte Satz war „Ich kam nicht richtig in die Übung!“. Wie sollte ich auch bei den ganzen Schmerzen, der Unruhe und den vielen Gedanken?

Drei Dinge sagt mir dieser Satz heute:

Erstens drückt der Satz die Erwartung aus, was in einer Meditationsübung passiert. Meine Erwartung war… schwebende Gemütlichkeit… Ruhe… weit entfernt von allen Schmerzen… tiefe Entspannung. Ohne diese beschissenen Schmerzen. Es war aber einfach die falsche Erwartung.

Zweitens drückt der Satz die Bewertung aus, daß ich die Übung nicht richtig gemacht habe, bzw. dass die Übung nicht funktioniert hat. Meine Vorstellung passte nicht zu dem was ich wahrgenommen habe. Blöde Übung. Verschenkte Zeit. Ärger. Wollte doch meditieren. Und dann haben mir die Schmerzen das verdorben.

Und drittens weiß ich heute, was ich damals in den Übungen gemacht habe: Ich habe meditiert. Das Erlebnis war aber weder schön noch in irgendeiner Weise erwartet. Daher habe ich es nicht als Meditation erkannt.

Meditation ist die Wahrnehmung, was jetzt ist. Heute nehme ich die gleichen Dinge in der Meditation wahr. Die Übung läuft dann so ab: Ich spüre die Verspannung meines rechten Schultermuskels. Ein Gedanke an Metall taucht auf. Ein Bild meines Muskels aus Metall entsteht und verschwindet wieder. Ein Impuls in meinem Bauch, der Wunsch aufzustehen taucht auf und vergeht wieder. Meine Beine schlafen ein. Ich setze mich bewusst anders hin, um das Einschlafen der Beine zu verhindern. Ich höre ein Schnarchen neben mir und merke wie meine Aufmerksamkeit aus der Körperwahrnehmung in Richtung des Geräusches verschwindet. Ich sammle mich und nehme wieder meinen Körper und den Raum wahr. Ein Gedanke an den nächsten Tag, verbunden mit einem Angstgefühl taucht aus dem nichts auf. Ich bleibe wachsam und folge dem Gedanken nicht, er löst sich auf.

Die Beschreibung der Übung vor 12 Jahren liest sich ganz anders als die zweite Beschreibung. Der Unterschied zwischen diesen Übungen ist (außer 12 Jahren Meditation), daß ich in der zweiten Übung ausschließlich Beobachter dessen war, was ist. Es waren weder meine Schmerzen, meine Gedanken, meine Ängste. Es waren nur noch Schmerzen, Gedanken und Ängste.

Trotzdem gibt es keinen Unterschied in der Wertigkeit der beiden Übungen. Beide male habe ich wahrgenommen, was ist. Und einfach nur durch die Fortführung dieser einfachen Übungen hat sich über die Jahre alles verändert.

Bleiben Sie dran, auch wenn es weh tut!

Samanera_(sculpture)

Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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