Wie Sie mit anderem Job, neuem Partner und Reichtum erfolgreich unglücklich bleiben!

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In der Meditation merken wir recht schnell, daß wir in uns Verletzungen tragen, die uns fortwährend in die Quere kommen. Dies sind meist Verletzungen aus unserer Kindheit die in uns weiter leben. Angefangen bei mündlichen, aber vernichtenden Urteilen, über komplette Ignoranz und Trennungen bis hin zu körperlicher Gewalt – jedes Kind entwickelt eine Strategie mit dem zugefügten Schmerz umzugehen. Oft ist dies die Verdrängung der nicht aushaltbaren Gefühle und Emotionen. Hinter all dem steckt eine tiefe Angst bis hin zu Todesangst.

Wenn nun eine Situation eintritt, in der diese nicht aushaltbare Angst wieder auftaucht, dann ist auch die neue Situation nicht ertragbar. Also wird der Schmerz, die Trauer, die Angst erneut verdrängt. Mit der Zeit entwickelt sich ein Mechanismus, der blitzschnell verhindert, daß wir mit den verpackten Emotionen in Kontakt kommen.

Dies ist, aus der Sicht des Kindes, sehr positiv, denn die Verzweiflung und Hilflosigkeit ist für das Kind nicht ertragbar. Die Mechanismen sichern uns das Überleben.

shutterstock_110822132Jahre später finden wir uns ständig in Situationen wieder, die diese gelernten Mechanismen auslösen. Der Chef, der uns nicht wahrnimmt kann den Reflex auflösen uns bis zur Selbstaufgabe aufzuopfern – so wie wir als Kind versucht haben durch Leistung die Liebe unseres Vaters zu erhalten. Die Ähnlichkeit zur Situation von damals ist die Vater-ähnliche Position der Chefs, an den wir ähnliche Anforderungen stellen, wie an unseren Vater – und die dieser natürlich gar nicht erfüllen kann.

Die Angst verlassen zu werden löst unsere Reaktion (z.B. die Panik, die wir empfinden und die Agression, die wir automatisch an den Tag legen) aus, sobald unser Partner etwas tut, das uns auch nur daran erinnert, was in der Kindheit passiert ist. Eifersucht oder gar Gewalt sind Ausdruck der Hilflosigkeit und wir zerstören damit unsere aktuelle Beziehung. Vielleicht ist der Mechanismus des ‚Haben-wollens‘ als Strategie gegen das (lebensbedrohliche) Verlassen-werden durch die Eltern verankert.

Körperliche Gewalt lassen uns als Kind lernen, daß nur die Verhinderung der Nähe uns rettet. Oder das Davonlaufen. Jahre später sind wir immer noch unter dem Schutz des Mechanismus, sobald eine Beziehung Nähe erfordert oder mit sich bringt.

Sobald wir dies erkennen, erkennen wir noch etwas anderes und wichtigeres:

Beim nächsten Chef, in der nächsten Beziehung und bei der nächsten Gelegenheit zur Nähe hat sich nichts geändert. Egal wie viel wir besitzen – die Angst, daß es nicht genug ist, beherrscht uns. Denn es geht nicht um den Chef, den Partner oder das Geld. Sie sind austauschbar und unsere Situation unverändert.

Keine Änderung der äußeren Umstände nimmt uns die Arbeit im Inneren ab. Und diese Arbeit erfordert unseren ganzen Mut. Und doch ist sie das Beste und das Einzige, was uns inneren Frieden und das Loslassen von unseren Mechanismen gibt.

Loslassen, und das ist eine wichtige Tatsache, beinhaltet nicht, daß unsere Mechanismen verschwinden. Der Impuls der Wut und Gewalt, der Impuls des Haben-wollens, der Impuls der Leistung-um-der-Liebe-willen, des Abstand-haltens wird uns vielleicht sogar bis zum Lebensende begleiten. Wir erreichen aber einen Punkt, an dem wir wahrnehmen, wenn der Mechanismus einsetzt und sind dann nicht mehr in unseren automatischen Reaktionen gefangen. Dies geschieht, wenn wir achtsam sind, also wach und ausmerksam wahrnehmen, was ist. Wenn unsere Wahrnehmung im Jetzt uns erlaubt, diesen Impuls zu spüren. Wenn wir nicht in Gedanken geflüchtet sind, die alles was um uns herumgeschieht überdecken wie ein lärmender MP3 Player.

Darum geht es bei der Meditation. Und um das Erkennen und die Bewältigung der Mechanismen geht es auch in der Therapie. Gönnen Sie sich die Freiheit von ihren einstmals wichtigen Mechanismen. Es wird Ihnen so viel besser gehen.

Wenn Sie dies hier aus Interesse lesen, dann sind Ihre Mechanismen heute sowieso nicht mehr nötig 🙂

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Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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2 Antworten zu Wie Sie mit anderem Job, neuem Partner und Reichtum erfolgreich unglücklich bleiben!

  1. sophie0816 schreibt:

    eine wichtige aussage, dass unsere mechanismen nicht verschwinden. diese erwartung lasse ich gaaaanz langsam los. sich als beobachter des mechanismus zu erleben ist ein großes wunder und eine große erleichterung. das ist all die mühe wert. danke für diesen artikel!

  2. Steffen Rühl schreibt:

    Wenn es Dich beruhigt, ich kämpfe auch mit dieser Erwartungshaltung 🙂
    Dann beobachte ich diese Erwartungshaltung.
    Dazu schreibe ich demnächst einmal ausführlicher.
    Vielen Dank für Deine Rückmeldung!

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