17. Untergeschoss: Ausgabe der Scheiße-Pakete

Die Auswirkungen der Meditation, die Kraft und Energie, die wir dabei vorfinden, wird leicht unterschätzt. Insbesondere während längerer Meditationen in denen wir tiefere Schichten unseres Bewusstseins erreichen, stoßen wir gelegentlich auf Ängste die sich in Form von freiwerdenden Energien äußern. Körperlich macht sich dies als nach oben (in den Kopf) schießende Energien bemerkbar, die dort starken Schwindel verursachen, insbesondere wenn wir nicht genug geerdet sind und die Energie daher nicht nach unten abfließen kann. Aber auch mit dieser Erdung können uns die Auswirkungen regelrecht überfluten. Das macht Angst, besonders wenn es die ersten Male passiert. Die Auswirkungen sind nicht nur auf den Moment beschränkt:

shutterstock_110822132Schwierigkeiten haben wir dann auch in den folgenden Tagen und Wochen. Durch die freigewordenen Energien können eine Reihe von Problemen im Alltag auftauchen. Bei mir äußert sich das Freiwerden von Energien in besagtem Schwindel, intensiven Träumen und einer Reihe von Ängsten: Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich nicht mehr im Alltag funktionieren würde, dass ich nicht mehr arbeitsfähig bin, dass mich alles überfordern würde. Und einige Tage waren dann auch erst mal recht hart und ich habe mich bemüht, stressige Situationen zu vermeiden und erst mal wieder Fuß zu fassen. Aber hier reagiert jeder etwas anders, vielleicht brechen Krankheiten aus, psychische Probleme verstärken sich, aber diese Symptome sind zeitlich begrenzt. Eine gute Idee ist, nach einer längeren Meditation noch ein paar freie Tage einzuplanen.

Hintergrund

Hört dann einfach auf eueren Körper. Nach den ersten Meditationswochen kam ich so energiegeladen zurück, dass ich erst mal Haus- und Hof auräumen musste, um die Energie irgendwie zu „verbrauchen“. Mit den Jahren konnte ich die Energie besser integrieren und musste sie nicht mehr loswerden.

Das Gute an diesen Erfahrungen ist: wenn wir diesen Schwierigkeiten begegnen, dann haben wir tiefe Schichten erreicht. Das Freiwerden von Energie befreit uns von „Festhalten“ und erlaubt sofort einen freieren Energiefluß durch uns hindurch. Die langfristigen Auswirkungen sind positiv. Auch wenn wir erst mal einigermaßen durch den Wind sind. Diese Erfahrungen sind wichtige Teile des Weges, den wir in der Meditationsarbeit gehen.

Leider gehen mir viel zu wenig Bücher und Artikel auf die Schwierigkeiten bei der Meditation ein. Zu viel Schönfärberei und zu wenig Hinweise auf die subjektiv weniger schönen Seiten der Meditation beherrschen die Literatur. Wenn wir dann Hilfe brauchen stehen wir oft alleine da. Solltet ihr alleine meditieren, dann lege ich euch Nahe, euch einen Meditationslehrer zu suchen, der euch Ansprechpartner sein kann. Für akute Fälle bin auch ich per Mail erreichbar.

Wenn ich, wie ich das in der letzten Meditationswoche genannt habe, wieder mal ein Paket Scheiße im 17. Untergeschoß finde, dann sage ich das mit einer Mischung aus Entsetzen und Freude. Die Freude kam im Laufe der Jahre hinzu. Als mir das das erste Mal passierte gab es nur das Entsetzen und ich war sehr froh, auf die Erfahrung meines Meditationslehrers zurückgreifen zu können. Ich hatte tatsächlich die Befürchtung, dass ich verrückt würde. Meine Gedanken spielten verrückt, die Frage ob ich nun noch Steffen bin oder schon Jesus hat mich dann doch dazu gebracht, meinen Meditationslehrer um Hilfe zu bitten. Es gibt für mich nichts beruhigenderes wenn ich in solchen Schwierigkeiten bin, als ein Mensch, der diese Erfahrungen kennt und einschätzen kann. Unser Gehirn spielt bei solchen massiven Energien gerne mal verrückt, denn es versucht zweifelhaft, eine Erklärung zu finden. Mir kommen meine Gedanken vor als seien sie Ertrinkende, die wild um sich paddeln (und dabei wild irgendwelche weiteren Gedanken produziert). Da ist eine Perspektive von außen wichtig und hilfreich.

Ich wünsche euch eine schöne Woche. Und immer schön weiter graben 🙂

Samanera_(sculpture)

Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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7 Antworten zu 17. Untergeschoss: Ausgabe der Scheiße-Pakete

  1. sophie0816 schreibt:

    danke das du darüber schreibst. das erlebe ich auch. solche erfahrungen können ganz schön überfordern, wenn sie nicht einzuordnen sind. mein entsetzen hat sich auch mit der wiederholung gelegt.

  2. sophie0816 schreibt:

    bin gerade auf folgende bücher gestossen, die zum thema spirituelle krise empfohlen werden. „spiritiuelle krisen. chancen der selbstfindung“ und „die stürmische suche nach dem selbst. praktische hilfe für spirituelle krisen“, von stanislav und christina grof. hast du die schon mal gelesen?

  3. Steffen Rühl schreibt:

    Die Bücher kenne ich nicht – aber ich schaue sie mir mal an. Vielen Dank für’s Teilen!

    Liebe Grüße
    Steffen

  4. nick schreibt:

    Ich medierte öfters, jedoch fühle ich mich danach nicht besonders gut, da viele negative Gefühle hochkommen. Das nun seit einer Woche, als ich damit angefangen habe. Ich hab eine ziemlich schlechte Laune ( unmotiviert, müde, schlapp, faul). Ich habe davon gelesen Übungen zur Erdung zu machen. Was würden sie mir empfehlen aufhören oder fortsetzten?? Weiß echt nicht, was ich weiter tun soll. Bitte um schnelle Antwort

    • Steffen Rühl schreibt:

      Hallo Nick,

      Deine Erfahrung ist normal und die Probleme, die durch das Lösen der Energien auftauchen, müssen eben bewältigt werden. Als Bild kann ich Dir anbieten, dass sich die Gefühle, die Du in Dir trägst, lösen. Das wichtige ist, daß Du Dir erlaubst, diese vermeintlich negativen Gefühle zu haben. Sie sind eh da und werden Dich begleiten. Du hast aber die Chance, sie als Bestandteil zu akzeptieren. Nur so können sie sich auf Dauer auflösen.

      Achte auf diese Gefühle, beobachte Dich selbst, wenn Du die Gefühle wahrnimmst. Dann lass sie ziehen, aber schicke sie nicht aktiv weg. Das ist allerdings eine Übungssache und ich vermute, daß Du schnelle Erfolge erwartest und nicht mit Hindernissen gerechnet hast. Leider wird auf die (oft harte) Arbeit in der Meditation nicht eingegangen. Aber diese Widerstände, wie Du sie erlebst, SIND die eigentliche Meditationsarbeit. Es ist nicht das fluffige da sitzen und wohlig entspannt sein (so es denn überhaupt gelingt). Es ist die Wahrnehmung dessen, was passiert. Bei Dir ist es die Wahrnehmung der auftretenden Gefühle, der Trägheit, der Gereiztheit. Diese Dinge gilt es zu beobachten, ohne sie zu bewerten. Die Gefühle sind daher auch nicht negativ – sie sind einfach. Und es geht auch nicht nur um die Wahrnehmung dessen was ist, wenn Du gerade auf dem Meditationskissen sitzt. Es geht auch um die Wahrnehmung im Alltag. Und Du nimmst die Symptome differenziert wahr (unmotiviert, müde, schlapp, faul). Spüre in diese Gefühle rein, soweit es Dir möglich ist, und versuche, sie nicht zu bewerten, sie einfach so wahr zu nehmen, wie sie sind.

      Erdungsübungen sind eine gute Sache und ich empfehle sie Dir. Insbesondere verhindern sie, daß Dich die Emotionen zu sehr wegreißen. Übungen findest Du z.B. im Buch von Hetty Draayer „Finde dich selbst durch Meditation: Ein Lese-und Übungsbuch“. Eine Übung findest Du auch auf dieser Seite unter .

      Bei mir waren die von Dir beschriebenen Symptome Reaktionen des Geistes, der mit der Konfrontation mit den Gefühlen überfordert war. Das äußerte sich auch bei mir mit Trägheit und Müdigkeit. Akzeptiere erst einmal, daß es so ist. Der Weg der Meditation (den ich Dir auf jeden Fall empfehle) ist voller Hindernisse. Und wenn Du eines hinter Dir lässt, kommt ein neues Hindernis. Was ich Dir aber versprechen kann ist, daß es Dir objektiv nach jedem Hindernis besser gehen wird. Subjektiv dauert es eine Weile, bis Du das erkennst.

      Ich hoffe, daß Dir diese Sicht etwas hilft. Was bei Dir geschieht ist normal. Das macht es nicht angenehmer, ich weiß. Aber es gehört dazu.

      Alles Liebe
      Steffen

  5. Bernhard schreibt:

    Hallo Steffen,

    ich will mich mal im Namen von Nick bei dir bedanken! Das ist sehr sehr schön was du schreibst, und überhaupt zu sagen hast. Ich meditiere seit Jan. 14 (2x/Tag) und habe ebenfalls phasenweise richtig zu kämpfen. Und ich finde mich in deinen Zeilen dauern wieder. Danke für diesen Blog!

    ich wünsche dir das Beste
    Bernhard

    • Steffen Rühl schreibt:

      Hallo Bernhard,

      ich freue mich, daß Dir die Artikel helfen. Bei konkreten Fragen kannst Du mich auch per mail erreichen (Auf das Profilbild klicken).

      Liebe Grüße
      Steffen

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