Die Wahrheit über Meditation

Die folgenden Zeilen habe ich vor einiger Zeit in einer ersten Phase dauernder Achtsamkeit an meinen Meditationslehrer geschrieben. Sie sind interessant, um dem Mythos etwas zu nehmen, um was es bei der Meditation geht.

Damals schrieb ich:

„Die Frage wie es mir geht ist gar nicht so leicht zu beantworten. Das liegt an den inneren Dingen: In der Meditationswoche habe ich den Zustand der Befreiung erlebt. Das hat etwas Grundlegendes geändert. Den größeren Teil der Zeit bin ich komplett im hier und jetzt bzw. kehre oft dahin zurück.

Befreiung klingt erst mal wunderbar, aber tatsächlich ist die Wahrnehmung der Mechanismen und das Realisieren des Ausmaßes, wie ich als Persönlichkeit funktioniere (und in Teilen schon funktionierte) anstrengend, wenn ich wieder in das Unbewusste verschwinde. Zwar habe ich die Kraft und die Aufmerksamkeit oft in den aktuellen Moment zurückzukehren, meist aus einem Gefühl der diffusen Angst (bedingt durch die Gedanken) zurückkommend, aber da dies gefühlte 1000 Mal am Tag geschieht, empfinde ich es auch als anstrengend und manchmal frustrierend, da ich mich meinen Gedanken gegenüber immer noch ausgeliefert fühle. Und die Anstrengung und der Frust sind ja schon wieder die nächsten Gedanken.

Trotzdem ist es natürlich ganz wunderbar, die Funktionsweise meiner Persönlichkeit gänzlich erfasst zu haben.  Ein „Plopp“ und sie wäre einfach verschwunden wäre natürlich toll. Und da ist er wieder, der nächste Wunsch, den ich beobachte. So geht es im Moment jeden Tag, Stunde für Stunde. Immer wieder abdriften, zurückkehren, denken, zurückkehren, wünschen, zurückkehren, …

Ich habe aber interessante Dinge über meine Kommentatoren gelernt, da ich sie in einzelne „Persönlichkeiten“ einteilen kann:

Es gibt da den „Stänkerer“, der gedankliche Angriffe auf meine Mitmenschen startet, sie beleidigt, angreift und immer bemüht ist, zu verletzen. Aber meist habe ich ihn im Griff, wenn er sich einschleicht.

Dann gibt es den „Reporter“, der viel damit beschäftigt ist, sich auszumalen, wie ich irgend jemandem, (Anm.: oft meinem Meditationslehrer), in der Zukunft von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten werde. Der ist schwieriger zu beobachten.

Der normale „Kommentator“, der einfach Dinge einteilt und kategorisiert ist natürlich auch da, der ist zumindest weniger störend und gefährlich für meine Umwelt.

Neu entdeckt habe ich, daß meine manchmal auftretende plötzliche Trägheit auch ein Mechanismus ist. Sie vernebelt das Hirn und lässt den Wunsch nach Schlaf aufkommen. Mächtig und schwierig zu widerstehen.

Was mir Mut gibt ist, daß ich eine meiner Stimmen fast komplett verloren habe, den „Rechtfertiger“, der jahrelang bemüht war in eingebildeten Gesprächen eine Entschuldigung zu formulieren. Ähnlich wie der Reporter, aber  immer mit einem Gefühl der Schuld verbunden. Egal ob eine Entschuldigung nötig oder angebracht war oder nicht. Ich denke, die anderen Stimmen werden sich nach und nach auch auflösen. Im Moment komme ich mir aber vor, wie in einem Kampf gegen übermächtige Windmühlen. Ich bin ungeduldig. Ich habe Angst, daß ich die Wachheit wieder verlieren könnte.

Ich sehe aber sofort, wie achtsam ich bin, in den Gesichtern der Menschen um mich rum. Sind sie schön und liebenswert, dann bin ich wach. Sind sie hässlich und nervig, dann sammele ich mich und schaue, wo ich gerade wieder in Gedanken war. Das klappt ganz gut 🙂

Zwischendurch kommen auch noch tiefere Ängste hoch und die kosten mich immer Überwindung, sie wach wahrzunehmen und anzuschauen. Ich fühle mich innerlich emotional und gedanklich dann oft kaputt und verletzt. Auch hinterlässt das Erkennen meiner Funktionweise oft ein Gefühl des Schams – dann bin ich wieder mit irgendetwas identifiziert. So geht es mir.“

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Samanera_(sculpture)

Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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3 Antworten zu Die Wahrheit über Meditation

  1. Patrik schreibt:

    Sehr schön zusammengefasst, Steffen.

  2. juliaisaak schreibt:

    Lieber Steffen, es ist ein wirklich toller und hilfreicher Text! Vielen lieben Dank! 🙂

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