Der schönere Weg a.k.a. who gives a shit?

Gestern morgen ging ich im Wald spazieren. Den Weg bin ich schon einige Male gegangen, aber erst an diesem Morgen fiel mir auf, daß ein kleiner Bach den Weg über eine längere Strecke begleitet. Das Rauschen des Wassers holte mich mehr als einmal aus den Gedanken in die Wahrnehmung des Körpers. Aber zwischendurch drifteten meine Gedanken immer wieder ab.

Bei der Beobachtung eines besonders absurden Gedankens rief ich mich zurück in die Achtsamkeit.

Da hörte ich mich doch tatsächlich denken „Ist das vielleicht der schönste Weg hier in der Gegend oder nur der zweitschönste?“. Da musste ich lachen – denn, wie ein amerikanischer Philosoph zu sagen pflegt: „Who gives a shit?“

Ich ließ den sinnlosen Gedanken ziehen und sah mich um. Neben mir führte ein Abhang zu einem Fischteich auf dem sich die Sonne spiegelte. Ich war schon fast an dieser schönen Stelle vorbei gegangen, weil meine Gedanken sich damit beschäftigten, welches der schönste Weg ist. Ich hätte die Schönheit um ein Haar verpasst.

Der schönere Weg

Abgesehen von einer lustigen Episode aus dem großen Buch „Die Top 10 meiner sinnlosesten Gedanken“ verbirgt sich dahinter aber auch eine Erkenntnis.

Wenn wir etwas bewerten, dann nehmen wir die aktuelle Situation nicht mehr wahr.

Wir sind bei jeder Bewertung in Gedanken und nehmen die Situation, die Sache, den Menschen, den wir bewerten gar nicht wahr. Was bedeutet das für die Qualität unserer Bewertung? Wir bewerten nur Dinge, die wir in ihrem aktuellen Zustand gar nicht kennen können! Wie bewerten immer aus der Vergangenheit. Nie das, was jetzt ist. Denn unser Denken das die Bewertung durchführt blockiert unsere Wahrnehmung. Es ist schlichtweg nicht möglich, objektiv zu bewerten. Vielleicht hat sich das griesgrämige Gesicht über das wir urteilen gerade aufgehellt?

Eine schöne Übung der Achtsamkeit im Alltag ist, einfach zu beobachten, wann wir etwas bewerten. Und sei es, wenn wir uns selbst bewerten. Erstens wird uns auffallen, wie sehr unser Gehirn auf die Bewertung „gepolt“ ist und wie oft es unbemerkt bewertet. Zweitens fällt uns auf, daß wie keine Grundlage der Bewertung haben. Wie greifen höchstens auf alte Erfahrungen oder erwartete Begebenheiten (auf Basis alter Erfahrungen) zurück.

Was sagt dies über unsere Beziehung zum Objekt der Bewertung aus?  Zu unserer Wahrnehmung der Kollegen, der Nachbarn, der Mitfahrer im Zug, der Menschen in den anderen Autos? Daß wir kein echtes Interesse an ihnen aufbringen, daß wir Ihnen in unserer Wahrnehmung keine Chance geben, so zu sein, wie sie im Moment vielleicht sind.

Die Bewertung unseres Gehirns ist oft sehr sinnvoll, aber wir sollten uns über das Ausmaß bewusst werden.

Ich wünsche euch einen achtsamen Tag!

Samanera_(sculpture)

Über Steffen Rühl

Seit 28 Jahren beschäftige ich mich mit dem Spielen und Designen von Brettspielen, Rollenspielen und Videospielen. Mein Leben wird bereichert durch meine Familie und die Erfahrung der Meditation. Zu meinen Hobbys zählen Spiele, Fotografie, Musik und der kreative Ausdruck in allen Formen. alltagsmeditation.wordpress.com
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2 Antworten zu Der schönere Weg a.k.a. who gives a shit?

  1. Gunnar schreibt:

    Da kam mir spontan in den Sinn, daß ein Vergleich immer einen „Sieger“ und einen „Verlierer“ hervorbringt. Wo doch beide Dinge ihren Wert haben. Unabhängig voneinander.

    • Steffen Rühl schreibt:

      Interessanter Gedanke – vielen Dank dafür. Das ist richtig – sobald eines von beiden da ist, muss es auch das andere geben. Wie oft wir uns wohl selbst als Sieger oder als Verlierer auf dieser gedanklichen Seite empfinden? Ich glaube, daß wir uns viel öfter als Unterlegener in unseren Gedanken wiederfinden.

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